Ein Blick in unsere Geschichte ...

historie_01Das historische Gebäude, in dem sich die Grüne Apotheke befindet, ist eines der wenigen aus der Barockzeit vollständig erhaltenen Häuser in Bernburg und befindet sich in der Breiten Straße.

Die ältere Geschichte der Apotheke ist nicht ganz durchsichtig, zumal sie nicht immer Grüne Apotheke hieß und der Apothekenbestand sowie der Standort häufig wechselten. Ihre Gründung - sie hieß damals wohl Ratsapotheke - fällt vermutlich ins 15. Jahrhundert, denn bereits im 16. Jahrhundert wird sie als „uralt" bezeichnet.1560 wird für Bernburg erstmalig eine Doktorapotheke mit dem hier tätigen Apotheker Johann Günter erwähnt. Mit Privileg von 1593 wird die Stadt Eigentümer. Apotheker Hieronymus Hartmann ist zunächst als Verwalter tätig, der mehr „Schaden denn Frommen“ angerichtet haben soll. Es handelte sich um die Ratsapotheke, die neben der Waage (Breite Str.116) lag und somit der heutigen Grünen Apotheke entspricht. In den nächsten hundert Jahren existierten in Bernburg neben der „Alten Großen“ noch eine „Kleine Apotheke“, eine Orlobsche und eine Arztapotheke und von 1663 -1666 gar keine Apotheke mehr. Der nachweisliche Gründer der Grünen Apotheke war der Arzt Dr. Johann Heinrich Ludwig (gest.1722). Dieser hatte zuvor einige Jahre lang erfolgreich die Apotheke des Dessauer Apothekers und Bürgermeisters Rudolf Föhse (1647-1696) in der Bernburger Breiten Str.112 verwaltet. Föhse war der Schwiegervater des „Alten Dessauers“, denn seine hübsche und intelligente Tochter Anna Luise war die Jugendliebe und spätere Ehefrau von Leopold I. von Anhalt-Dessau. Da Ludwig hinsichtlich des geplanten Verkaufs der Föhseschen Offizin unerklärlicherweise wohl nicht für eine Übernahme in Frage kam, erwog er, sich in diesen unsicheren Zeiten selbstständig zu machen.
 Am 05.02.1694 erhielt er von Fürst Viktor Amadeus das Recht, eine eigene Offizin anzurichten und wurde zugleich zum Hofapotheker ernannt. historie_02Von hier an existiert die heutige Grüne Apotheke ununterbrochen am gleichen Standort. 1708 geht die Apotheke an den Arzt Dr. Johann Esaias Silberschlag, (1676-1737).

1716 übernimmt erstmalig ein Apotheker, Friedrich Christoph Schulze. (gest.1751), die Leitung. Außerdem sollte fortan die Grüne Apotheke die nächsten 240 Jahre fast ununterbrochen in Familienbesitz bleiben. Ab 1738 werden in Bernburgs Talstadt erstmals eine Grüne, Rote, Blaue und Gelbe Apotheke erwähnt, was sonst wohl nirgends vorkommt. Denn alle 4 lokalen Fachvertreter bringen 1738 gemeinsam eine Petition bei dem Landesherren ein. Sie fordern, dass die überhand nehmende Konkurrenz der umherziehenden Arzneimittelhändler unterbunden wird. In diesem offiziellen Schriftstück benennen die Apothekenbesitzer Ihre Offizinen mit diesen Farbbezeichnungen, die bis heute die jeweiligen Haussymbole darstellen.


historie_03Nach dem Tode von F.C. Schulze 1751 übernimmt dessen gelernter Apothekersohn Georg Gebhard (1727 - 1753) die Apothekenleitung. Allerdings als Angestellter seiner Mutter. Da er bereits 1753, nur 26-jährig, sirtbt, wird dessen Bruder Ludwig Bernhard sein Nachfolger. Auch als Angestellter seiner Mutter. Erst nach dem Tode der Mutter 1759 geht die Offizin offiiell in seinen Besitz über. Nach einem Hausbrand am 05.01.1775 war der Schaden am Apothekenhaus und 2 Nachbargebäuden so groß, dass Schulze alles abreißen und ein neues Gebäude errichten ließ.

historie_04Es entstand ein prachtvolles Barockgebäude von "ruhiger Schlichtheit und altvornehmer Eleganz", so wie es heute noch vorzufinden ist. Zur Sicherung seiner Existenz befasste er sich zusätzlich mit der Züchtung von Weinreben und war damit so erfolgreich, dass er vom Fürsten sogar mit dem Privileg des Weinhandels bedacht wurde. Schon 1777 verkündete Schulze die Herauszüchtung einer neuen, schädlingsresistenten, blauen Rebsorte und verkaufte mehrere hundert Senker.

historie_05Seine Rebe ist mit dem heute wieder entdeckten, erforschten, gezüchteten und gekelterten "Blauen Bernburger" identisch und ist patentiert worden. Diese Tradition wird von den Bernburger Heimat-und Weinbaufreunden heute wieder sehr gepflegt.

Gedenkwürdig sind die von Schulze ausgebildeten tüchtigen Lehrlinge Christian Emmanuel Ferdinand Kohl (1740-1818) und Friedrich Albert Karl Gren (1760- 1798). Apotheker Schulze muss man für seine Zeit als fortschrittlich denkend, rechtschaffend, ehrlich, zielstrebig und gebildet bezeichnen, denn er gab sein umfangreiches Wissen und Lehrmaterial an Gren und andere Lehrlinge uneigennützig und für damalige Zeiten nicht selbstverständlich weiter. Gren lehrte schließlich ab 1788 als Universitätsprofessor in Halle. 
Über Schulzes Witwe, Juliane, Magdalene (1741-1804) bis 1804, dann deren beiden Töchter, Christiane Henrietta Ernestine (1762-1825) und Sophie Wilhelmine (1769- 1820 ?) fällt die Apotheke durch Erbschaft 1820 an den Neffen Ernst Wilhelm Bley (1792-1824).

historie_06Nach dessen frühen Tod 1824 war sein Bruder MR Dr. Ludwig Franz Bley (1801-1868) der nächste Apothekeninhaber. Bley ist einer der letzten Apotheker seiner Zeit, der in seiner Offizin praktisch tätig sowie darüber hinaus wissenschaftlich forschend, schriftstellerisch, pharmaziehistorisch und gemeinnützig schaffend, aktiv ist. Als ein Schwiegersohn des berühmten Erfurter Professors Johann Bartholemäus Trommsdorff, und während seiner 25-jährigen Funktion als Oberdirektor des Norddeutschen Apothekervereins sowie als zeitweiliger Redakteur des Archivs der Pharmazie hat er sich maßgeblich um die Hebung des deutschen Apothekerstandes verdient gemacht. Er war Mitglied in 30 in-und ausländischen Gesellschaften und hat über 260 wissenschaftliche Veröffentlichungen verfasst, zuzüglich etlicher standespolitischer Schreiben. Als Mitbegründer und zeitweiliger Vorsitzender der Bernburger Loge „Alexis zur Beständigkeit“ war sein ständiges Streben darauf bedacht, Gutes und Gemeinnütziges zu schaffen. Während seines unermüdlichen Wirkens stand er mit vielen deutschen und internationalen Professoren, Doktoren, Fabrikanten, Ministern, ja auch Herzögen und Königen im persönlichen oder schriftlichen Kontakt. Er hat somit Bernburg zu einem Zentrum der pharmazeutischen Publizistik gemacht. Dafür erhielt er viele Anerkennungen und Auszeichnungen. Nachdem Bley 1868 hochgeehrt in Bernburg stirbt, übernimmt dessen Sohn Gustav Bley (1834-1879) bis zu seinem Wegzug 1871 die Leitung.

historie_07Der nächste Käufer ist Johannes Pein (gest.1906). Die einwohnermäßig immer weiter wachsende Bergstadt verlangte auch nach einer Apotheke. So verlagerte der Besitzer der Roten Apotheke, Louis Bockshammer, bis 1877 seine Offizin von der Breiten Straße zum Saalplatz 6, also bereits jenseits der Saale. Bald darauf gab er auch diesen Standort auf und eröffnete 1878 endgültig in der Bergstadt in der Kaiserstaße 3a seine neue Apotheke. 1888 war die Zeit schließlich reif, in der Bergstadt eine 2.Apotheke zu etablieren. Um sich nicht mehr Konkurrenz als nötig zu schaffen, einigte man sich dahingehend, statt einer Neugründung die Blaue Apotheke aus der Talstadt in die Bergstadt in die Lindenstraße umzusiedeln. Johannes Pein sollte als Betreiber der ältesten Apotheke in der Talstadt traditionsgemäß alleinig verbleiben dürfen und dafür zahlte er an Richard Bredow, Besitzer der Blauen Apotheke, 15000 Mark, als außerordentliche Entschädigung. So war beiden Apothekern geholfen und die Arzneimittelversorgung überall gesichert. Schließlich waren beide Apotheker auch Logenbrüder und Mitglieder der Vorprüfungskommission in Dessau. Johannes Pein galt als vorzüglicher Redner und er setzte sich ebenfalls aktiv für die Belange der Apotheker ein. Anlässlich seines 30-jährigen Arbeitsjubiläums in der Grünen Apotheke wurden Johannes Pein von Sr. Hoheit, dem Herzog Friedrich I. von Anhalt am 1.10.1901 die Ritter-Insignien II. Klasse des Herzoglichen Anhaltischen Hausordens Albrecht des Bären verliehen.

historie_08Von 1903 bis 1906 übernimmt dessen Sohn Bruno Pein (1872-1927) die Verantwortung. 1905 wird er in den Kreisvorstand der anhaltischen Apotheker gewählt. Es ist außerdem 2.Vorsitzender der Sächsisch-Anhaltischen Kraftfahrer-Vereinigung, Autohändler und auch begeisterter Radfahrer. Er gewann mehrere Medaillen.

historie_091907 fiel die Apotheke schließlich an den Enkel des L.F. Bley, Herrn MR Wilhelm Pfau (1873-1939) und damit an die Schulze- Bleysche  - Nachfahrenschaft zurück. Die bedeutende Bernburger Familie Pfau ist bis ins 16. Jahrhundert hier urkundlich nachweisbar. Auch Wilhelm Pfau ist sich seines Erbes und seiner Verantwortung bewusst und eifert seinen Vorfahren nach. So ist auch er deutschlandweit aktiv im Apothekerverein tätig. Er ist zeitweise Vorsitzender des Anhaltischen Apotheker-Vereins und Mitglied der Dessauer Prüfungskommission für die pharmazeutische Vorprüfung. Auch Pfau erkennt einen Reformbedarf im Apothekenwesen und sucht den Kontakt zu Parlamentariern bis hin nach Berlin, um die anstehenden Probleme zum Vorteil aller Apotheker lösen zu können. Pfau wird schließlich 1926 Medizinal -Referent der Anhaltischen Staatsregierung in Dessau und zum Medizinalrat ernannt. Anlässlich der 800-Jahrfeier am Mo, 13.6.1938 gedenkt die Stadt Bernburg in Anerkennung und Dankbarkeit mit einer Urkunde der langen Familientradition Pfau. Denn Wilhelm Pfau hatte eine lückenlose Familienchronik über 9 Generationen hinweg erstellt und einen eingetragenen Familienverein ins Leben gerufen und mit Leben erfüllt, der bis 1945 existierte.

historie_10Nach seinem Tod 1939 übernimmt sein Sohn Hans Pfau (1901-1957) die Apotheke. Er hat die Aufgabe, die Apotheke in den schweren Kriegszeiten unter vielen Entbehrungen immer betriebsbereit zu halten. Im Dezember 1943 werden in Leipzig die Räume seines Steuerberaters bei einem Bombenangriff stark beschädigt. Sämtliche Geschäftsbücher, Steuerunterlagen, Bilanzen werden vernichtet. Auch Hans Pfau muss alle Daten wieder mühevoll zusammentragen. Bei den beiden Bombenangriffen auf Bernburg im April und Mai 1944 kommen Pfaus mit dem Schrecken davon. Materielle oder personelle Verluste hat er am Kriegsende glücklicherweise nicht zu beklagen. Noch belastender waren für ihn die Zeiten nach dem Zusammenbruch. Mit den sich entwickelnden sozialistischen Verhältnissen hat er sich wohl nie anfreunden können und wollen. Er starb 1957 während einer Operation im Köthener Krankenhaus. Seine Ehefrau siedelte mit den 2 Töchtern und einem Sohn nach Westberlin um, weil niemand aus der Familie die Apotheke übernehmen konnte. Hier endet die Pfau`sche Apothekertradition.

historie_11Nach dessen Tod leitet Herr Pharmazierat Apotheker Heinz Heussinger (1911-1993) der schon ab 1931 als Lehrling bei Herrn Pfau sen. lernte, die Apotheke, ab jetzt staatlich verwaltet, Nach der Modernisierung 1961/62 wird die Apotheke schließlich 1969 in sogenanntes Volkseigentum überführt. Herr Heussinger war bei seinen Kunden sehr beliebt. Er arbeitete bis zu seinem 72. Lebensjahr, weil erst ein Nachfolger gefunden werden mußte, ehe er in seinen wohlverdienten Ruhestand gehen konnte.

historie_12Nach dem Hochschulstudium an der Sektion Pharmazie an der Martin-Luther-Universität Halle von 1975-1980 und einer 2-jährigen Tätigkeit in der Mohren-Apotheke in Torgau, übernimmt am 01.10.1982 der Apotheker Hendrik Frenzel die Apothekenschlüssel von Herrn Heussinger und somit die staatliche Leitung. 


Von 1984-1988 wurde das gesamte Gebäude erneuert und mit viel Aufwand restauriert und somit konnte es vor dem Abriss bewahrt werden. Parallel dazu entstanden im hinteren Anbau die neuen Räumlichkeiten des Pharmazeutischen Zentrums. Die nahtlose Privatisierung der Apotheke erfolgt am 01.12.1990 und durch Umbau im Herbst 1991 erfolgt die Anpassung an die neuen Bedingungen im vereinten Deutschland. Zum Jahresende 1996 konnte das Gebäude von Familie Frenzel gekauft werden. 2009 erfolgte eine abermalige Modernisierung der Einrichtung.

Grüne Apotheke Bernburg ueber uns

Die Grüne Apotheke steht seit 1929 unter strengem Denkmalschutz und somit wird alles unternommen, das Historische zu bewahren und trotzdem Neues behutsam zu integrieren. Sie steht als Objekt Nr.10 auf dem historischen Stadtrundgang von Bernburg.




 







 

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