Ein Blick in unsere Geschichte ...
Die Grüne Apotheke, eines der wenigen vollständig aus der Barockzeit erhaltenen Häuser in Bernburg, liegt in der Breiten Straße, dem städtebaulichen Rückgrat der im Jahre 1561 vereinigten Alt- und Neustadt.
Ihre Gründung - sie hieß damals wohl Ratsapotheke - fällt vermutlich ins 15 Jahrhundert, denn bereits in 16. Jahrhundert wird sie als „uralt" bezeichnet. Die ältere Geschichte der Apotheke ist ganz durchsichtig, zumal sie nicht immer Grüne Apotheke hieß und der Apothekenbestand -und standort häufig wechselte.
Der nachweisliche Gründer war der Arzt Dr. Johann Heinrich Ludwig (gestorben 1722). Am 05.02.1694 erhielt er die "Rechte, einen eigene officin in mehr gedachter unserer Residenzstadt anzurichten, nicht allein privilegiert, sondern auch zu unserem eigentlichen Hofapotheker bestellet haben... so gesehen und gegeben zu Bernburg den fünften Februar nach Christi unserem Herrn und Seeligmachers Geburth, in eintausend, sechshundertvierund neunzigsten Jahr."
Am 21.02.1708 geht die Apotheke an den Arzt Dr. J.E. Silberschlag, am 12.08.1716 an den Apotheker F.C. Schulze. Erstmalig wird die Apotheke nicht durch einen Arzt geführt. Sein Sohn Karl Christian (1718-1749) leitet nach dem Tode des Vaters 1741 die Apotheke weiter. Als die 4 lokalen Fachvertreter 1738 gemeinsam eine Petition beim Landesherren einbringen, kraft Verfügung die überhand nehmende Konkurrenz der vaganten Arzneimittelhändler zu unterbinden, ist es bemerkenswert, dass die Apothekenbesitzer hierin Ihre Offizinen - wohl erstmals auf einen offiziellen Schriftstück - mit jenen Farbbezeichnungen charakterisieren, die fortan gleichsam Haussymbole darstellen und sonst wohl nirgends vorkommen:
Grüne, Blaue, Rote und Gelbe Apotheke, sämtlich in der kleinen Talstadt Bernburg gelegen. 1749 tritt Ludwig Bernhard Schulze (1739-1785), der 3. Sohn von F.C. Schulze, die Amtsnachfolge des verstorbenen Bruder Karl Christian an. Am 05.01.1775 früh, so berichtet das Kirchenbuch der St. Marienkirche, entstand eine Feuerbrunst, die das Haus und das Nachbarhaus beschädigten. Eine heute noch erhaltenen Steinschrift kündet von dem Ergebnis: "Dieses Haus ist auf die Stelle dryer durch eine den 5. Januar 1775 darin entstandene Feuerbrunst beschädigter Häuser, von Grund auf neu errichtet worden, von den Apotheker Ludewig Bernhard Schultzen 1775."
Der Schaden an den Häusern war so groß, daß Schulze alles abreißen und ein neues Gebäude errichten ließ. Es entstand ein prachtvolles Barockgebäude von "ruhiger Schlichtheit und altvornehmer Eleganz". 1777 verkündete Schulze die Herauszüchtung einern neuen blauen Rebsorte und bot zugleich mehrere hundert Fechser (durch Absenker gewonnene Jungreben) zur Verbreitung seines Erfolges an. Es ist naheliegend, daß seine Rebe mit dem noch heute munter sprießenden "Blauen Bernburger" identisch ist.
Auch Schulze war also neben dem Arzneimittel-und Drogenhandel,mit dem sich seine Existenz wahrscheinlich nicht hätte halten können, mit dem Privileg des Weinhandels bedacht. Gedenkwürdig sind die zur Zeit Schulzes tüchtigen Lehrlinge Christian Emmanuel Ferdinand Kohl (1740-1818) und Friedrich Albert Karl Gren (1760- 1798). Letzterer lehrte ab 1788 als Universitätsprofessor in Halle.
Über Schulzes Witwe bis 1804, dann deren Tochter, fällt die Apotheke durch Erbschaft 1820 an den Neffen Ernst Wilhelm Bley. Nach dessen frühen Tod 1824 war sein Bruder MR Dr. Ludwig Franz Bley (1801-1868) der nächste Apothekeninhaber, einer „der besten Zierden des Apothekerverbandes", Oberdirektor des Norddeutschen Apothekervereins und Redakteur des „Archivs der Pharmazie".
Der Grüne Apotheke ist damals eine kleine Fabrik angeschlossen, in der sich L.F. Bley u a. der Herstellung von Platinmohr widmet, das für die von Döbereiner erfundenen Feuerzeuge benötigt wird. Über dessen Sohn Gustav Bley bis 1871, dann Johannes Pein bis 1906 und Bruno Pein bis 1907 die Apotheke an den Enkel des L.F. Bley, Herrn MR Wilhelm Pfau (1873-1939).
1939 übernimmt sein Sohn Hans Pfau (1901-1957) die Apotheke. Nach dessen Tod leitet Herr Apotheker Heinz Heußinger (1911-1993) die Apotheke, ab jetzt staatlich verwaltet. Nach dem Umbau 1961/62 wird die Apotheke 1969 in sogenanntes Volkseigentum überführt. Am 01.10.1982 übernahm der Apotheker Hendrik Frenzel die Leitung, die er bis heute inne hat.
Von 1984-1989 wurde das gesamte Gebäude erneuert mit viel Aufwand restauriert. Die Privatisierung der Apotheke erfolgt am 01.12.1990 und durch Umbau im Herbst 1991 erfolgt die Anpassung an die neuen Bedingungen im vereinten Deutschland. Zum Jahresende 1996 konnte das Gebäude vom Apotheker Frenzel gekauft werden.
Vom Mai bis Juli 1997 fanden abermals bauliche Veränderung in den Wohnungen statt und auch die Fassade im Braunschweiger Grün, die Säulen mit den römischen Kapitälen und Kartuschen in den geschweiften gesprengten Portalbögen, die Anhaltinischen Wappen, die zwei das Hauptportal rahmenden Pilaster und die Initialien des Gründers L.B.S. (Ludwig Bernhard Schulze) und J.M.D. (Juliane Magdalene Döring)...
... alles erstrahlte danach wie einst mit „altem Glanze in ruhiger Schlichtheit und kraftvoller Gediegenheit"
Im August-September 2009 erfolgte die abermalige Umgestaltung der Offizin in Anpassung an die sich stetig ändernden Rahmenbedingungen, incl. der Installation einer neuen Klimaanlage.